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Helgasp

Anmeldungsdatum: 11.03.2009
Beiträge: 2571
Wohnort: Ennepetal

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Als politisch interessierter Ennepetaler begegnet man in den letzten Tagen immer wieder der Ankündigung, es werde ein "Runder Tisch" initiiert. Überall, wo ein umstrittenes Thema diskutiert werden soll, ist der runde Tisch nicht weit. So soll es einen runden Tisch geben zum Thema Wetterschutz für Wartehäuschen an Bushaltestellen, neues Wohnen etc. und seit Wochen ist bereits der "Runde Tisch Bahnhof" im Gespräch.
Beim runden Tisch kann jeder von jedem Platz aus alles überblicken und mit jedem direkt Blickkontakt aufnehmen. Und alle sind gleich, denn es gibt kein oben und unten, keine schmale Stirnseite für den Vorsitz und kein Podium. Damit steht der runde Tisch für die Gleichberechtigung der Beteiligten, die miteinander eine von allen Seiten getragene Lösung finden (wollen).
Eine Inflation runder Tische ist nicht zwangsweise ein Gradmesser für mehr Demokratie. Im Gegenteil: Verläuft ein runder Tisch wirkungslos, dann kann das Gefühl der Ohnmacht zukünftige Beteiligungen an Prozessen schwächen und dem Vertrauen in die politischen Institutionen schaden.
Der runde Tisch ist weder ein Allheilmittel noch ein Garant für einen Erfolg. Er bietet die Chance, die Qualität kommunaler Entscheidungen zu steigern und soziales Kapital in einer Kommune aufzubauen und zu nutzen. Konflikte können besser reguliert und in manchen Fällen auch vermieden werden.
Im Idealfall ist sein Ergebnis von großer Verbindlichkeit, da alle Betroffenen aktiv beteiligt waren. In der Praxis allerdings kommt mancher runde Tisch über den bloßen Austausch der Standpunkte nicht hinaus.
Der runde Tisch ist ein Ort der Begegnung und der direkten Kommunikation. Auf dem Weg in die viel beschworene Bürgergesellschaft ist er damit ein Möbelstück mit Zukunft. Daher sollte auch der runde Tisch auf das Fundament einer soliden Vorbereitung gestellt werden.
Ein runder Tisch als Organisationsform macht überall dort Sinn, wo verschiedene Institutionen und Positionen zu einem Thema zusammengebracht werden und die Gesamtheit der Teilnehmenden zu gemeinsamen Lösungen kommen sollen.
Dazu müssen zumindest die wichtigsten Akteure im jeweiligen Themenfeld mobilisiert werden. Fehlen z.B. bei der Erarbeitung eines Verkehrskonzeptes Automobilclubs und Verkehrsbetriebe, wird die Verbindlichkeit der Ergebnisse nicht sonderlich groß, die Frustration bei den Beteiligten aber um so höher sein.
Ein runder Tisch soll in allererster Linie die Beteiligten in ein produktives Gespräch bringen. Im weiteren Verlauf sollen sich alle Teilnehmenden auf gemeinsame Ziele einigen und diese sollen in Übereinstimmung mit den Zielsetzungen der Initiatoren stehen. Initiiert ein kommunales Gremium einen runden Tisch, um herauszufinden welche Probleme es beim Thema Verkehr gibt und wie Lösungen aussehen könnten, erwartet es kein ausgearbeitetes Verkehrskonzept, über das nur noch abgestimmt werden muss.
Um das zu erreichen, hat sich eine bestimmte Vorgehensweise als nützlich herausgestellt.
Weit verbreitet ist die öffentliche Einladung. Sie ist aber wenig effektiv, da die Zufallszusammensetzung der Teilnehmer keine Gewähr dafür bietet, dass auch alle, die wichtig für eine gemeinsam getragene Entscheidung sind, auch teilnehmen.
Wichtig im Vorfeld ist, zu entscheiden, wer für diesen Prozess wichtig ist. Neben der direkten Ansprache durch eine persönliche Einladung sollten bereits im Vorfeld Gespräche geführt werden, um die Akteure von der Wichtigkeit des runden Tisches zu überzeugen. Auf diesem Weg lassen sich auch eventuelle Vorbehalte abbauen oder weitere wichtige Akteure finden.
Nichts schadet einem runden Tisch mehr als das Gefühl der Teilnehmenden, über den Austausch von Positionen nicht hinauszukommen. Da der runde Tisch sein Potenzial aus der Unterschiedlichkeit der Teilnehmenden und ihrer Interessen bekommt, sind Konflikte ganz natürlich und liefern vielfach die Energie für einen produktiven Prozess.
Über welche Legitimation verfügt der runde Tisch? Was passiert mit seinen Ergebnissen?
So mancher runder Tisch muss am Ende feststellen, dass die politischen Gremien zwischenzeitlich Fakten geschaffen haben, durch die die Ergebnisse Makulatur wurden. Oder die Ergebnisse wurden in Ausschüssen so lange diskutiert und so umfassend überarbeitet, dass am Ende nur wenig von den ursprünglichen Ideen übrig geblieben war. Das macht die Arbeit der Beteiligten zur Farce. Das kann es nicht sein.
Am Anfang eines runden Tisches sollte daher ein klares Bekenntnis der Entscheidungsgremien zu dem Prozess stehen. Wie stehen sie zu dem runden Tisch, welche Erwartungen und Befürchtungen haben sie. Schon in den ersten Sitzungen muss geklärt werden, wie sich Zusammenarbeit und Informationsaustausch zwischen rundem Tisch, Politik und Verwaltung gestaltet und welche Bindungswirkung die Ergebnisse haben sollen. Dies beugt Missverständnissen vor und steigert die Qualität des Gesamtergebnisses.
Wie sollte also ein runder Tisch in der Praxis stattfinden?
Wichtig ist eine klare inhaltliche und zeitliche Struktur für die erfahrungsgemäß drei- bis vierstündigen Treffen.
Einladungen und Dokumentationen sollten den Teilnehmenden zeitnah mit allen relevanten Informationen zur Verfügung stehen.
Es erscheint paradox, aber in der Praxis kommt der runde Tisch meist ganz ohne Tische aus.
Es sollte ein Raum zur Verfügung stehen, der groß genug ist, um einen Wechsel zwischen Plenum und Kleingruppenarbeit ohne störende Umbauten zu ermöglichen.
Es sollte ausreichend Papier und sonstiges Material zur Verfügung stehen.
Pausengetränke und ein kleiner Imbiss sind eine gern angenommene Geste, die die Teilnehmer zu schätzen wissen.
Dies mögen Banalitäten sein. Doch sind es oftmals gerade solche Kleinigkeiten, die das Klima des Prozesses nachhaltig beeinflussen können.
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_________________ Wer mit dem Strom schwimmt, erreicht die Quelle nie.
Peter Tille, dt. Schriftsteller, *1838
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Frank Wittig
Anmeldungsdatum: 18.03.2009
Beiträge: 465

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Hallo,
die Bezeichnung "Runder Tisch" hört sich natürlich gut an.
Bürgerversammlung wäre auch eine treffende Bezeichnung, vielleicht sogar noch passender.
Den die Erwartungen die an solche Versammlungen geknüpft werden sollten nicht zu hoch sein.
Mit der Bezeichnung "Runder Tisch" verbindet man gleichberechtigte Gesprächspartner mit der Berechtigung Entscheidungen zu fällen.
Das ist hier aber nicht gegeben. Wir Bürger können zwar unsere Ideen und Meinungen äußern, die Entscheidungsgewalt haben wir als Bürger aber nicht in einer solchen Versammlung.
Gut ist aber, wenn zumindest etwas mehr Bürgernähe von Politik und Verwaltung angestrebt wird.
Wenn wir uns die Entwicklung in den nächsten Jahren ansehen, dann wird sich noch gewalötig etwas ändern müssen.
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Bernstein

Anmeldungsdatum: 11.03.2009
Beiträge: 308
Wohnort: Ennepetal

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@ Frank Wittig,
ein "Runder Tisch" hat mit einer Bürgerversammlung nichts zu tun. Schon deshalb nicht, weil an einem runden Tisch nicht nur Bürger, sondern auch Interessenvertretungen teilnehmen. Im Fall des Bahnhofs können dies z.B. auch potenzielle Nutzer, Denkmalschützer, Unternehmervertreter usw. sein.
Natürlich können die Teilnehmer eines runden Tisches keine Entscheidungen treffen. Dies ist den gewählten Vertretern im Rat vorbehalten. Aber wenn der Rat (und die Verwaltung) die Einrichtung eines runden Tisches wünschen und fördern (s. hier), gehe ich davon aus, dass die Ergebnisse des runden Tisches bei den Entscheidungen des Rates berücksichtigt werden. Tut der Rat dies nicht, kann er auf zukünftige "Runde Tische" verzichten.
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_________________ Es ist schwieriger eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern, als ein Atom.
(Albert Einstein, 1879 - 1955)
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Helgasp

Anmeldungsdatum: 11.03.2009
Beiträge: 2571
Wohnort: Ennepetal

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Ich bin mir nicht ganz im Klaren darüber, wer welche Erwartungen an den "Runden Tisch Bahnhof" stellt. Das war auch der Grund, weshalb Bernstein die Unterlagen heraussuchte und ich den vorstehenden Beitrag geschrieben habe.
Wir Normalbürger hoffen höchstwahrscheinlich alle, dass wir ENDLICH mal Fakten geliefert bekommen zum Ist-Zustand des Bahnhofes:
Was gehört eigentlich alles zum Bahnhof?
Hat die Stadt den Bahnhof bereits gekauft? Oder muss sie ihn erst noch erwerben?
Zum Preis wird man vermutlich wieder mal keine Auskunft geben, obwohl ich meine, dass wir ein Recht dazu haben, ihn zu erfahren.
Ist die Statik okay?
Und was daraus werden soll:
Muss der Bahnhof abgerissen werden?
Kann er stehen bleiben?
Welche Auflagen gibt es eventuell?
Hat jemand Ansprüche oder Wünsche für eine eventuelle gewerbliche Nutzung geäußert?
Gibt es Vereine oder Verbände, die den Bahnhof nutzen wollen?
Haben wir Bürger überhaupt eine Chance gegen Finanzgeber anzutreten, wenn wir nicht über Bares verfügen, sondern nur über guten Willen?
Was die Politik und was die Verwaltung sich von diesem runden Tisch Bahnhof erhoffen, ist noch nicht klar - mir zumindest noch nicht.
Ist das eine Art Alibi-Veranstaltung? So nach dem Motto: Wir sind ja da, aber wo sind die Bürger gewesen?
Oder ist das eine Art Versteigerung: Wer bietet mehr?
Vielleicht wollen sie aber auch nur gucken, ob und auf welche Weise die Bürger bereit sind, zu den Finanzen und zu den Arbeiten beizutragen.
Ich hoffe, dass viele, viele Bürger und Interessierte und Unternehmen an dem 1. Runden Tisch teilnehmen und damit zeigen, dass ihnen der Bahnhof nicht wurscht ist.
Es ist ein Freitagabend und da sollten mehr Leute Zeit haben als bei den Sitzungen des Rates.
Es ist eine Chance, die uns da von seiten der Gremien und der Verwaltung geboten wird. Wir sollten diese Chance nutzen zu einer Art Demonstration unserer Mitwirkung bei Entscheidungen, die uns alle angehen!
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_________________ Wer mit dem Strom schwimmt, erreicht die Quelle nie.
Peter Tille, dt. Schriftsteller, *1838
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Hardy
Anmeldungsdatum: 16.01.2010
Beiträge: 15

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Hardy
Anmeldungsdatum: 16.01.2010
Beiträge: 15

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Hallo Alle und besonders Helgasp,
ja, ich habe genau das Gefühl wie Sie. Im Grunde ist der Abriss schon beschlossen, aber man tut jetzt so, als gäbe es noch eine Chance und so kann man immer sagen - "Wir wollten alles, aber die Bürger waren nicht da"
Auch ich denke, dass es lediglich eine Alibi-Veranstaltung wird. Aber vielleicht taucht ja zu diesem Termin wirklich ein "Retter" auf.
Hoffen wir es ein mal.
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Frank Wittig
Anmeldungsdatum: 18.03.2009
Beiträge: 465

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Wenn die Bürger den Erhalt des Gebäudes wünschen, dann müssen sie auch bereit sein sich einzubringen.
Eine Teilnahme von möglichst vielen Bürgern ist auf jeden Fall wünschenswert.
Allerdings hat, da wiederhole ich mich, das Gebäude und eine mögliche Nutzung nichts mehr mit dem Haltepunkt der Bahn zu tun.
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Helgasp

Anmeldungsdatum: 11.03.2009
Beiträge: 2571
Wohnort: Ennepetal

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| Frank Wittig hat folgendes geschrieben:
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Allerdings hat, da wiederhole ich mich, das Gebäude und eine mögliche Nutzung nichts mehr mit dem Haltepunkt der Bahn zu tun.
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An diesem "Haltepunkt der Bahn" befindet sich das Bahnhofsgebäude. Und dieses Gebäude wird genutzt oder abgerissen.
Wird es genutzt, sollte es auch für die Bahnhofsbenutzer einen Nutzen haben (z.B. Toilette, Kiosk, Untersetllmöglichkeit).
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Peter Tille, dt. Schriftsteller, *1838
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Helgasp

Anmeldungsdatum: 11.03.2009
Beiträge: 2571
Wohnort: Ennepetal

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Frank Wittig
Anmeldungsdatum: 18.03.2009
Beiträge: 465

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Hallo Helgasp,
der Haltepunkt Ennepetal wird nahezu nur von Pendlern benutzt.
Wichtig sind da genügend Parkplätze.
Das Gebäude spielt keine Rolle mehr für die Funktion.
Da es auch außerhalb der Stadt liegt, wird man schwerlich einen Betreiber für einen möglichen Kiosk finden. Es lohnt einfach nicht.
Eine Toilette wäre zwar wünschenswert, aber muss die innerhalb des Gebäudes liegen ?
Ebenso ist natürlich eine Unterstellmöglichkeit bzw. ein Warteraum für Reisende bei schlechtem Wetter auch eine schöne Sache.
Ich kann Ihnen aber schon jetzt voraussagen, die diese Räumlichkeiten nach einigen Monaten aussehen würden.
Deshalb sollte eine mögliche Nutzung des Gebäudes nichts mehr mit der Funktion des Haltepunktes zu tun haben.
Ein Abriss wäre meiner Meinung nach ein Armutszeugnis für unsere Stadt und ihre Bürger.
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Helgasp

Anmeldungsdatum: 11.03.2009
Beiträge: 2571
Wohnort: Ennepetal

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@ Hardy:
Ich glaube nicht, dass der Abriss beschlossen ist.
Ich weiß, dass - zumindest auch - für den Erhalt des Gebäudes gesucht wird.
Und ich halte es für grundverkehrt, auf einen "Retter" zu warten.
@ Frank Wittig:
Wir sind uns völlig einig, was einen Abriss angeht. Das darf nur sein, wenn es gar nicht anders geht, weil z.B. eine Gefährdung durch eine marode, nicht zu reparierende Bausubstanz vorliegen würde.
Off topic: Die Internetverbindungen sind in manchen Teilen Ennepetals seit gestern gestört. Laut Telekom Defekt im Zentralsystem.
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